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Zivildienst im DRK-Bezirksverband Frankfurt a.M.

gerd
IKRK Präsident Dr. Cornelio Sommaruga
und Zivi Gerd Nießen

Im Juni letzten Jahres habe ich mein Abitur in der Wöhlerschule in Frankfurt abgelegt. Ich war sehr daran interessiert, meinen Zivildienst bald anzutreten. Meine Musterung beim Kreiswehrersatzamt in Wiesbaden fand bereits im Februar letzten Jahres statt, so daß ich schon eine Kriegsdienstverweigerung abschicken konnte und nach meinem Abitur als " anerkannter Kriegsdienstverweigerer" galt. Dies war die Voraussetzung, um mir eine Zivildienststelle selbst zu suchen. Meine innere Einstellung verbot mir den Dienst an der Waffe.
Außerdem war ich entschieden der Meinung, daß mir der Zivildienst selbst mehr bringen würde.

Ich wollte meine Zivildienstzeit bei einem Fahrdienst verbringen, und so suchte ich im Telefonbuch nach Vereinen, die einen Behindertenfahrdienst anboten. Bei meinen Recherchen stieß ich auf die Adresse des Deutschen Roten Kreuzes. Die Tatsachen, in einer Organisation mitarbeiten zu können, deren Name weltweit ein Begriff für Menschlichkeit ist, schien mir die Herausforderung zu sein, nach der ich gesucht hatte.
Das Rote Kreuz bietet für Kriegsdienstverweigerer mehrere Bereiche an, in denen sie ihren Dienst ableisten können. Der Behindertenfahrdienst, in dem ich aufgenommen wurde, ist nur ein Bereich, in dem mit mir noch fünf weitere "Zivis" tätig waren. "Essen auf Rädern", "Tageskliniktransport", "Hausnotruf" die Abteilung I, die sich um den Fuhrpark des DRK kümmert, "Sanitätsdienst an der Messe" und die "Betreuung von Spätaussiedlern am Frankfurter Flughafen" sind ebenfalls Bereiche, in denen Zivildienstleistende beim Roten Kreuz eingesetzt werden. Ich hatte in meiner Dienstzeit die Möglichkeit, mehrere Bereiche kennenzulernen.

Behindertentransport

Meine Aufgabe im Behindertenfahrdienst war die Beförderung von Rollstuhlfahrern mit einem Spezialfahrzeug mit Hebevorrichtung von A nach B. Dies hört sich vielleicht langweilig an, jedoch war es teilweise eine sehr anstrengende und schwierige, aber auch interessante und witzige Tätigkeit. Die verschiedenen Rollstuhlkonstruktionen sorgten genauso für Abwechslung wie die von Grund auf verschiedenen Fahrgäste und Orte, zu denen die Fahrten gingen. Jedoch war, bevor man als Zivildienstleistender einen Fahrgast befördert, eine schwierige Hürde zu nehmen: das Ablegen der Ortskenntnisprüfung für die Stadt Frankfurt am Main zum Erwerb des Personenbeförderungsscheines, ohne den wir nicht fahren durften. Die Ortskenntnisprüfung des Ordnungsamtes, für die ich 250 Straßenzüge, 54 Zielfahrten, Ämter, Behörden, Krankenhäuser, Altenheime, Altenwohnanlagen, Friedhöfe und Museen lernen mußte, hielt ich bereits damals für Behördenschikane, denn wir hatten immer genug Zeit, auf die Stadtkarte nach den Wegen zu sehen und außerdem befördern wir einen großen Teil Stammfahrgäste. Sinnvoll erschien mir dieses Wissen für Mitarbeiter des Rettungsdienstes, damit diese schneller am Einsatzort ankommen, jedoch brauchen die Fahrer der Rettungswagen für einen entsprechenden Schein vom Ordnungsamt nur Krankenhäuser und Altenheime zu lernen. Die Tatsache, daß das DRK die ZDLs ohne Personenbeförderungserlaubnis nicht einsetzen kann, interessiert das Ordnungsamt wohl eher wenig.

Als Besonderheit während meines Dienstes in diesem Bereich kann ich die beiden Fernfahrten nennen, die ich machte. Die eine führte nach Bad Bocklet, ein Kurort, sechs Dörfer hinter Bad Orb, wo wir ein älteres Ehepaar abholten und nach Frankfurt zurückfuhren. Die zweite und interessantere Fernfahrt führte nach Leipzig. Wir fuhren zu zweit eine ältere Dame mit Hund zu ihren Verwandten. Dies war ein Tagesausflug, an den ich gerne zurückdenke, da ich die Atmosphäre während der Fahrt sehr gut fand, denn die Befürchtungen, einen Fahrgast 400 km zu fahren, der ständig etwas auszusetzen hatte, hatten sich glücklicherweise nicht bestätigt. Die Dame war überaus freundlich, hatte uns sogar Brötchen und Äpfel mitgebracht, und auch der Hund war sehr zutraulich. Außer einem unplanmäßigen und ein wenig illegalen Stop auf einer Landstraße - der Hund mußte vor Aufregung öfters mal austreten - verlief die Reise ohne Zwischenfälle.

Im Dezember kam es dazu, daß ein ZDL, der für den Flughafen eingeplant war, die Stelle doch nicht antrat, so daß ich das Angebot von Frau Kurka-Niebel, der Zivildienstbeauftragten des DRKs annahm, diese Lücke zu füllen. Die Tätigkeit am Flughafen bezog sich auf die Betreuung der ankommenden rußlanddeutschen Spätaussiedler. Das Bundesverwaltungsamt teilt uns am Vortag die Ankunft der Spätaussiedler unter Angabe der Flugnummern mit und erwartet als Auftraggeber des Roten Kreuzes von und die Ordnungsgemäße Betreuung der Ankommenden. Um diese Aufgabe zu erfüllen, haben wir Flughafen AG-Ausweise für den Transitbereich, mit denen wir bis an die Maschinen kommen.

Dienst am Flughafen

Der Bereich Flughafen bietet für die ZDLs ein sehr interessantes Arbeitsumfeld. Die Betreuung der Spätaussiedler war wohl die interessanteste Tätigkeit, der ich im Zivildienst nachgegangen bin. Die Spätaussiedler werden von uns durch den Flughafen geleitet und zu einem Reisebus gebracht, der sie in ein Aussiedlerlager bringt. Übliche Zwischenfälle waren Z.B. das Auffinden von 17 Stangen Zigaretten im Gepäck von zwei Personen am Zoll oder auch das Verspäten eines Flugzeuges von 22 Uhr abends auf 6 Uhr morgens. Über einen Scall ist das Flughafenteam rund um die Uhr zu erreichen. Wenn dann unangemeldete Aussiedler am Flughafen ankommen, bedeutet das dann auch, nachts auszurücken und die Aussiedler gegebenenfalls selbst ins Aussiedlerlager zu fahren.

Ein Highlight, das ich in dieser Zeit erlebte, war die Ankunft des Präsidenten des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, Herrn Dr. Sommaruga. Ich wurde beauftragt, den Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Herrn Römer, am Flughafen zu treffen, der extra aus Bonn angereist kam, um den Präsidenten abzuholen. Ich führte ihn zum Ankunftsgate. Herr Dr. Sommaruga ist ein sehr sympathischer älterer Herr, der, nachdem er Herrn Römer begrüßte, sich einen großen Teil des Weges zur Paßkontrolle mit mir über Frankfurt und den Zivildienst unterhielt. Unter anderem erklärte er mir, daß er sich Frankfurt deshalb sehr verbunden fühle, weil er hier seine 50. Blutspende tätigte. Herr Dr. Moog, Vorsitzender des DRK-Bezirksverbandes und Herr Saller, Geschäftsführer, warteten bereits hinter der Paßkontrolle und luden zum Kaffee ein.

Als eine weitere Station in der Zivildienstzeit kam ich dazu, meinen letzten Monat als Fahrer der Tagesklinik in Höchst zu verbringen. Mit insgesamt drei Neunsitzerbussen holen wir Patienten der Tagesklinik Höchst morgens ab 7 Uhr von zu Hause ab. Dies sind Leute, deren Gesundheitszustand einen nächtlichen Aufenthalt in den eigenen vier Wänden zuläßt. Die Einrichtung ist bei der Mehrzahl der Patienten beliebt, da sie sich nicht völlig dem Krankenhaus ausgeliefert fühlen und da sie von sehr kompetenten Fachpersonal betreut werden. Abgesehen davon ist der Aufenthalt in der Tagesklinik günstiger, als wenn die Patienten stationär aufgenommen werden. Um 15 Uhr fahren wir die Patienten dann wieder nach Hause.

Fazit

Durch die verschiedenen Einsatzbereiche habe ich viel gelernt, bin reicher an Erfahrung mit Menschen, habe heute mehr Verständnis für die Situation von Behinderten. Nicht zuletzt hat sich meine Autofahrpraxis (ich fuhr 29 verschiedene Fahrzeuge!) verbessert.
Obwohl ich letztlich mit Freuden an meine Zivildienstzeit zurückdenken werde, gibt es aber auch verschiedene Dinge, die mir nicht so sehr gefallen haben. Diese waren vor allem das Absitzen der Dienstzeit, auch wenn keine Fahrten anstanden, um der peinlich genauen Stechuhr Genugtuung zu verschaffen oder auch das Einsetzen der Zivildienstleistenden - ohne deren Einwilligung eingeholt zu haben - für Dinge, die nichts mit unseren üblichen Aufgaben zu tun hatten. So hatten wir beispielsweise das Mainfeldgelände von Sperrmüll gereinigt. Das Problem darin war für mich nicht das Einsetzen für eine Sache, für die ich eigentlich nicht zum DRK kam, sondern daß es als normal angesehen wurde, daß wir ZDLs solche Aufgaben nun mal zu erledigen haben. Um es anders auszudrücken: Letztlich hatten wir noch mal ein Dankeschön dafür erhalten. Dies förderte das Gefühl, daß man als ZDL kein richtiger Kollege für die Hauptamtlichen war, obwohl sich der Geschäftsführer, Herr Saller und auch die Abteilungsleiter durch gemeinsame Sitzungen mit den ZDLs bemühten, Probleme zu lösen.

Ich hätte gerne zu allen Hauptamtlichen ein solches Verhältnis gehabt, wie zu Herrn Firnschild, dem Fahrdienstleiter, der von uns allen geduzt wurde und der den ZDLs gemachte Fehler nicht sehr lange vorhielt. Obwohl ich wußte, daß ich mich jederzeit mit Problemen sowohl an Frau Kurka-Niebel als auch an Herrn Keppeler, den Abteilungsleiter und sogar an Herrn Saller, den Geschäftsführer wenden konnte, fehlte mir die Gewißheit, daß die Probleme dann auch gelöst werden, denn wenn es um organisatorische Dinge ging, hatte ich öfters das Gefühl, daß "die Linke nicht weiß, was die Rechte macht".

Alles in allem habe ich mir jedoch meinen Zivildienst in den Grundzügen so vorgestellt. Die Zusammenarbeit mit den vielen anderen ZDLs hat sehr viel Spaß gemacht, und ich werde diesen Lebensabschnitt wohl mehr vermissen als meine Schulzeit.

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